Wie alles begann
Am Anfang war es eine Begegnung – zweier Menschen, die von der Schönheit der Nuthe-Nieplitz-Region tief berührt waren. Manfred Kroop, der sein ganzes Leben hier verbracht hatte, kannte jedes Geheimnis dieser Landschaft. Er wusste, wo Kranich, Kiebitz und Co. brüten. Karl Decuppe hingegen war ein Entdecker. Getrieben von der Faszination für diese einzigartige Region, wollte er jeden Winkel erkunden.
Gemeinsam durchstreiften sie die Nuthe-Nieplitz-Niederung, träumten von einer Zukunft, in der diese grüne Oase bewahrt wird. Denn eines war schnell klar: Diese Landschaft vor den Toren Berlins, voller Leben und Schönheit, braucht Schutz und behutsame Entwicklung. Der Druck der Großstadt war schon damals spürbar. Aber wie sollte das gelingen? Die Antwort war so einfach wie kraftvoll: Ein Verein musste her – ein verbindendes Element, das den Schutz der Natur und den sensiblen Umgang mit den Menschen der Region vereint. So wurde am 7. Februar 1991 der Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung gegründet.
Was folgte, war ein Weg voller Herausforderungen und Erfolge. Mit guten Konzepten und unermüdlicher Beharrlichkeit wurden anfängliche Widerstände überwunden. Die Idee ging auf: Heute blicken wir stolz auf eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht.
Die einst bedrohte grüne Oase hat sich vergrößert, die Flächen für den Naturschutz sind gesichert, und der Verein ist aus der Region nicht mehr wegzudenken. Projekte wie beispielsweise der Bau des NaturParkZentrums, das Mensch und Natur näher zusammenbringt, zeigen, was mit Engagement und Vision möglich ist. Mit Stolz blicken wir zurück – und mit ebenso viel Tatkraft nach vorn. Als Landschafts-Förderverein stehen wir weiterhin für den Schutz und die naturverträgliche Entwicklung dieser besonderen Region. Denn unsere Arbeit ist nicht nur Vergangenheit, sondern auch Zukunft.
Einen Rückblick auf den Neujahrsempfang zum 32. Geburtstag findest du hier.
Unser Verein – unsere Geschichte
Als im November 1989 die Berliner Mauer fällt, lebt der Biologe und Tierfotograf Karl Decruppe in Berlin-Kreuzberg. Ein Verwandter macht ihn mit dem Oberförster von Ferch, Manfred Kroop, bekannt. Gemeinsam erkunden die beiden Natur- und Tierbegeisterten die Region und auch die Nuthe-Nieplitz-Niederung. Ihnen ist klar, dass die Schönheit der Region erhalten werden muss. Allen Bauplänen für Golfanlagen und Gewerbegebiete zum Trotz entwickeln sie ein Konzept für das erste Naturschutz-Großschutzprojekt in den neuen Bundesländern. Es wird im Dezember 1990 von der damaligen Forschungsanstalt für Natur und Landschaftspflege bewilligt.
Für ein solches Projekt wurde ein Träger benötigt – und dafür gründeten Kroop und Decruppe am 07.02.1991 gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kommunen den Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung e.V. mit Sitz im Beelitzer Ortsteil Zauchwitz. 30 Millionen DM stehen in den nächsten 12 Jahren zur Verfügung, um etwa 3000 Hektar Flächen in der Region zu sichern. Dafür muss zugleich ein Pflege-und Entwicklungsplan erstellt und umgesetzt werden. Während am Blankensee eine 14 Hektar große Streuobstwiese entsteht, arbeiten die Vereinsmitarbeitenden an Entwicklungskonzepten für Dörfer, einem Tourismuskonzept für die Region, kartieren Brandenburger Alleen und legen neue Biotope an.
Die Meinungen über Naturschutz gehen in der Bevölkerung weit auseinander. Es gibt viele Gegenstimmen. Der Verein zieht daraufhin 1993 ins Nachbardorf Stücken (Michendorf) und eröffnet dort das Naturschutzzentrum mit regelmäßigen öffentlichen Veranstaltungen. Auch ein Wanderweg – der Ortolanweg – wird eingeweiht, um durch diese Form der Öffentlichkeitsarbeit mehr Verständnis und Akzeptanz zu schaffen. Im gleichen Jahr wird die erste Mitgliederzeitschrift „Land in Sicht“ herausgegeben.
Im Jahr 1995 wird das erste große Etappenziel erreicht: Das Naturschutzgebiet „Nuthe-Nieplitz-Niederung“ wird als eines der ersten Naturschutzgebiete in Brandenburg festgesetzt. Auch ein Landschaftsschutzgebiet wird mit viel Anstrengung ausgewiesen. Die Vereinsarbeit nimmt jetzt weiter Fahrt auf: Es gibt Naturwächter zur Besucherinformation und auch die ehrenamtliche Arbeitsgruppe Ornithologie entsteht, die seitdem Daten sammelt und Exkursionen organisiert.
1996 wird der Riebener See gekauft, um zukünftig als geschütztes Wasserreservoir für die Landschaft zu dienen. In diesem Jahr nimmt auch die Naturwacht ihre Arbeit auf und die Landesregierung stellt einen Stab zum Aufbau eines Naturparks an die Seite des Vereins.
In den Folgejahren werden Beobachtungstürme gebaut, weitere Streuobstwiesen angelegt und Gewässer renaturiert. Eine Waldschule ergänzt die Bildungsarbeit. 1998 gelingt es dem Förderverein auch, gleich zwei ehemalige Truppenübungsplätze zu kaufen: das Glauer Tal in Blankensee und den Jüterbog.
Im Jahr 1999 werden zwei Meilensteine erreicht: Am 1. August wird der Naturpark Nuthe-Nieplitz eingeweiht. Kurz darauf erfolgt im September die Einweihung des Wildgeheges am Glauer Tal. Aus dem ehemaligen Truppenübungsplatz ist ein Offenlandprojekt und Erholungsgebiet entstanden.
Die nächste Zeit steht im Zeichen des Wassers. Der Gröbener See (1999), Blankensee (2000) und schließlich auch der Grössinsee (2000) werden vom Verein gekauft und als Schutzgebiete gepflegt. Dazu kommt die Renaturierung des Polders Stangenhagen. All diese Pflegearbeiten müssen geleistet werden. Unterstützend gründet der Verein daraufhin die Wild- und Landschaftspflege Glau gGbmH, die auch den Betrieb des Wildgeheges übernimmt.
Doch auch der Rückbau von verschiedenen landwirtschaftlichen Gebäudekomplexen, neue Waldpflanzungen und Waldumbau sowie die Anlagen von Rundwanderwegen und Beobachtungsstegen sind deutlich erkennbar.
2006 kann schließlich auch mit dem Bau des Besucherzentrums am Wildgehege Glauer Tal begonnen werden, das im Folgejahr eingeweiht wird. Parallel dazu entscheidet ein studentischer Wettbewerb über die Gestaltung des Außengeländes als Naturpark-Ausstellung. Dieses wird zwischen 2010 und 2013 gestaltet und kann seitdem „draußen und umsonst“ von allen Besuchern genossen werden. 2015 kommt ein ungewöhnlicher Spielplatz in den Glauer Feldern dazu. Und als erste Naturpark-Schule in Brandenburg (und die zweite in ganz Deutschland) wird die hiesige Grundschule ausgezeichnet. Die Umweltbildung ist damit Bestandteil der Bildungslandschaft der Kommune geworden.
In der Zwischenzeit reifte eine neue Idee: Steinkäuze sollen wieder in der Landschaft angesiedelt werden. 2010 wurden die ersten Vögel ausgewildert, ab 2011 unterstützt die Landesregierung die Wiederansiedlung im Rahmen eines Förderprojektes. Zeitgleich entsteht im NaturParkZentrum das erste Umweltbildungs-Konzept, mit dem zukünftig die Bedeutung von Natur (-schutz) und die Möglichkeiten fürs eigene Handeln vermittelt werden. Ein Baustein davon ist der Erhalt des Kommandoturms im Wildgehege, der als eine der Bildungsstationen genutzt werden soll.
Als weiteres Thema der Arbeit hat sich auch der Moorschutz in der Vereinsarbeit etabliert. Nachdem bereits Spendenprojekte zum Kauf von Moorflächen liefen, finden nun auch Workshops mit Landwirten statt.
Verkehrstechnische Entwicklungen wie der Bau der B 101 oder das zunehmende Verkehrsaufkommen der BAB A10 bieten neue Möglichkeiten. So werden die Geräusche der Autobahn zukünftig durch Waldstreifen abgeschirmt, Eidechsen aus dem Baugebiet der B 101 beziehen neue Reviere im Wildgehege. Zunehmend kann der Förderverein durch Kompensationsmaßnahmen Natur schützen und weiterentwickeln.
Im Jahr 2022 findet ein Ausbildungslehrgang zum Obstbaumwart unter der organisatorischen Leitung des Fördervereins – und fachlich durch die Landesgruppe Brandenburg-Berlin des Pomologenvereins – statt. Im Folgejahr übernimmt der Verein die Ausbildung eigenverantwortlich und bildet seitdem Obstbaumwarte aus. Die 2024 ebenfalls dazu gegründete Streuobst-AG bietet die Plattform, um Wissen zu vertiefen und anzuwenden wie auch sich zu vernetzen und dabei die Streuobstwiesen des Vereins zu pflegen.
Über mehr als 30 Jahre hat sich der Landschafts-Förderverein nun entwickelt. Die Arbeit hat an Vielfalt gewonnen, neue Tätigkeitsfelder kamen hinzu. Viele Weggefährten begleiteten und begleiten noch heute den Verein. Doch so viel sich auch im Lauf der Zeit verändert haben mag, treibt die heutigen Mitarbeiter noch heute, das Gleiche an wie die Gründer des Vereins damals: die Liebe zur Natur insbesondere der Nuthe-Nieplitz-Niederung und der Wunsch, diese zu erhalten. In diesem Sinne:
Natürlich Nuthe Nieplitz